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Zwei Frauen zeigen einer gegenübersitzenden Person den Mittelfinger.Bild: S.Kobold - stock.adobe.com

27.01.2024 Johannes Striegel

Loud Quitting: Kündigung mit Knall

Immer wieder tauchen neue Begrifflichkeiten und Trends in der Personalwelt auf. Ganz vorne mischt zurzeit Loud Quitting (deutsch: Lautes Kündigen) mit. Der Name ist dabei Programm.

Kaum ein Arbeitnehmer ist heute noch sein ganzes Arbeitsleben lang bei einem oder nur zwei verschiedenen Arbeitgebern beschäftigt. Mehr Abwechslung, mehr Flexibilität und mehr Selbstbestimmung sind vor allem für junge Angestellte wichtig. Wenn es im bestehenden Arbeitsverhältnis nicht mehr passt und brodelt, endet das mittlerweile oft mit einem großen Knall.

Mit Pauken und Trompeten

Der Begriff Loud Quitting beschreibt genau das: Arbeitnehmer kündigen ihren Job und tun ihren Unmut lautstark kund. Unverblümt und ohne an teils überzogener Kritik zu sparen, wird der alte Arbeitgeber in aller Öffentlichkeit auf Social Media oder über andere Wege mit allem aus der Sicht des Ex-Angestellten Negativem konfrontiert.

Seinen Ursprung hat dieser Trend in den USA, genauer gesagt in New York. Ein Mitarbeiter aus der Tech-Branche hat in einem Interview ausführlich und offen dargelegt, was ihn an seinem alten Job nicht gefällt und warum er gekündigt hat, wie er gekündigt hat – nämlich laut, transparent und ehrlich. Und warum er das immer wieder tun würde.

Loud Quitting ist dabei nicht mit Quiet Quitting zu verwechseln, es ist auch nicht das Gegenteil davon. Quiet Quitting beschreibt lediglich eine „innere Kündigung“, bei der Arbeitnehmer weiterhin arbeiten, aber keine Motivation mehr für ihren Job haben.

Das Fass läuft über

Doch wie kommt es dazu, dass Menschen teils unverhältnismäßig stark ihre angestaute Wut, Unzufriedenheit und auch Enttäuschung kundtun? Nicht selten sind die Reaktionen nachvollziehbar, oft schießt der ein oder die andere aber auch über das angemessene Ziel hinaus.

Die Gründe sind vielfältig, die eine solche Reaktion hervorrufen. Oft ist es fehlende Anerkennung, die mit einer toxischen Arbeitskultur einhergeht. Auch schlechte Führungsqualitäten von Vorgesetzten und fehlende oder intransparente Kommunikation sind Gründe von vielen „Loud Quittern“.

Manch anderer Grund ist banalerer Natur. So sind es Veränderungen wie anstrengende, neue Kunden oder angepasste Arbeitszeitregelungen, die das Fass zum Überlaufen bringen. Das ist der Punkt: Die Gemengelage ist meist entscheidend. Selten sind es einzelne Aspekte, die singulär den Ausschlag geben.

Früher privat, heute öffentlich

Hat der letzte Tropfen das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht, brechen oft alle Dämme. Besonders beliebt ist – wenig verwunderlich – Social Media für Loud Quitting. Schnell hält LinkedIn als Business-Plattform für den großen Knall her. Es gibt auch Arbeitnehmer, die ihre Kündigung live streamen oder begründen, auch auf TikTok gibt es viele Videos dazu.

Doch ist das neu? Nein: Schon immer gab es Groll über den alten Arbeitgeber, eingefahrene Strukturen und zu wenig Anerkennung. Neu sind die Plattformen des Ausdrucks. Früher geschah das mehr im Privaten, heute wird es in die Öffentlichkeit getragen.

Beide Seiten verlieren

Dieses Phänomen ist übrigens keines, das nur vereinzelt auftritt. Laut einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Gallup aus dem Jahr 2023 kündigt knapp ein Fünftel aller Arbeitnehmer mittlerweile auf diese Art und Weise.

Die Frage, die sich unweigerlich stellt: Was nützt Loud Quitting? Vor allem dann, wenn es unverhältnismäßig wird und in Wut und mit wenig netten Worten endet, schadet so ein Ausbruch beiden Seiten. Arbeitnehmer verprellen möglicherweise potenzielle neue Arbeitgeber, ihr altes Unternehmen bekommt sein Fett weg.

Am Ende wäre es beiden Seiten vermutlich mehr geholfen, es fände ein konstruktiver Austausch statt. Das muss aber passieren, bevor die Fronten verhärtet sind. Ansonsten ist es gut möglich, dass der große Knall kommt – und das mit immer höherer Wahrscheinlichkeit.

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Von Johannes Striegel

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